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Die größte Frisbee-Party der Welt
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FAZ.NET ?05 April 2002

An Article about the 2002 Paganello by the German Ultimate player Jens Meyer (Team: "Feldrenner", Mainz). http://www.faz.net/, section "Active"

Ultimate
Die größte Frisbee-Party der Welt
Von Jens Meyer

5. April 2002 Der leicht angegraute Hüne im grünen T-Shirt
legt einen erstaunlichen Sprint über 30 Meter Sandstrand hin
und muss dennoch abheben, um an die Frisbee heranzukommen. Im
Fliegen fängt er die Scheibe, der Punkt geht an „Collard
Green“, die 3.000 Zuschauer toben.

„Stu“ wie sie ihn rufen, ist mit seinen 48 Jahren nicht nur
bei weitem der älteste Spieler im Finale der „World Beach
Ultimate Championships 2002“, sondern auch einer der
beliebtesten. Und er ist ehrgeizig. Nachdem die Greens das
letztjährige Finale verloren, wollen sie dieses Jahr
unbedingt die Trophäe, einen Sonnenschirm, mit ins heimische
Atlanta nehmen. Ihnen gegenüber stehen „No Tsu Oh“, umgedreht
Houston, nicht minder ambitioniert und mit einigen der besten
Ultimate-Spielern der Welt nach Rimini angereist. Erstmals in
der zwölfjährigen Geschichte des Turniers ein rein
amerikanisches Finale.

Anreise aus Amerika

Ein Zeichen des zunehmenden Niveaus der
„Strand-Weltmeisterschaften“ im Ultimate Frisbee, denn die
amerikanischen Teams stellen nach wie vor die Weltspitze.
Beide Mannschaften kommen seit einigen Jahren zu dem Turnier
und scheuen dabei weder Kosten noch die für Amerikaner ganz
besonders wertvollen Urlaubstage, um Ostern in Rimini zu
verbringen. Dieses Jahr sind fast 100 Mannschaften aus 23
Ländern mit über 1.200 Spielern zum größten Strandturnier der
Welt gereist, sie spielen in den Kategorien „Mixed“, „Damen“
und, wie Atlanta oder Houston, „Herren“.

Vier Tage lang bietet sich den üblichen Rimini-Urlaubern eine
ungewohnte Kulisse: Dort wo im Hochsommer Tausende von
Sonnenanbetern vor sich hin rösten, laufen auf insgesamt 14
etwa 75 Meter langen Feldern lauter bunt bekleidete Menschen
der Scheibe hinterher. Die Mannschaften, die in der Regel mit
zehn bis zwölf Spielern angereist sind, bestreiten dabei drei
Spiele am Tag, im Schnitt dauern diese 45 Minuten. Zwar
können nach jedem Punkt alle fünf Spieler auf dem Feld
ausgewechselt werden, dennoch fällt spätestens am dritten Tag
jeder der zahlreichen Sprints im weichen Sand immer schwerer.
Zumal die Nächte in der Regel lang waren.

Dauerhafte Partystimmung

Auf der Website bezeichnet sich das auch als Paganello
bekannte Turnier als die größte Frisbee-Party der Welt. Und
es ist tatsächlich so etwas wie eine dauerhafte Partystimmung
auf den Feldern zu spüren. Aus den Lautsprechern tönen fette
Beats, einige Live-Bands treten auf, neben dem Centre-Court
ist eine kleine Freestyle-Bühne aufgebaut, wo grell
gekleidete Männer und Frauen dem staunenden Publikum
akrobatische Kunststücke mit den Frisbee-Scheiben vorführen.
Natürlich ist auch abends Party angesagt, Leistung auf dem
Feld und Feiern bis tief in die Nacht sind in der Szene kein
Widerspruch.

Doch der Organisator des Turniers, Gian-Pietro Miscione, legt
großen Wert auf das gestiegene sportliche Niveau. „Vor
einigen Jahren kamen die Teams vor allem wegen der Party,
jetzt ist der Sport mindestens ebenso wichtig“. Mitunter ein
Grund, warum zahlreiche italienische, aber auch deutsche
Fernsehsender wie das ZDF vom Paganello berichten.

Feinste Ultimate-Kunst

Im Finale bekommen die Zuschauer jedenfalls höchste
Ulimate-Kunst zu sehen. Packende Laufduelle, weite Würfe und
gelungene „Catches“ wie jener von Stu machen den Reiz des
noch relativ jungen Sports aus. Noch dazu ist es ein
spannendes Spiel. Zwar erarbeitet sich die favorisierte
Mannschaft aus Houston schnell einen kleinen Vorsprung, doch
die Greens bleiben dran. Erst als sie durch einen Fehlwurf
die Chance zum Ausgleich auf 10-10 vergeben, kann sich
Houston ein wenig absetzen. Am Ende des über einstündigen
Matches setzen sich die körperlich etwas fitteren Texaner mit
15-11 durch. Stu ist zerknirscht, doch er weiß jetzt schon:
„Im nächsten Jahr komme ich wieder“.

Archived by Thomas Griesbaum22 April 2002

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